-Forschungsprojekt Nr. 11951N

Bewertung der Zuverlässigkeit elektrischer Verteilungsnetze in einem liberalisierten Elektrizitätsmarkt

Wissenschaftliche Problemstellung

Die Umsetzung der EU-Richtlinie Elektrizität vom 19. Dezember 1997 (in Kraft getreten am 19. Februar 1997) [1] zur Liberalisierung des europäischen Elektrizitätsmarkts führte zur Vorlage der "Verbändevereinbarung über Kriterien zur Bestimmung von Durchleitungsentgelten" [2]. Durch die hierin vorgesehenen Durchleitungsentgelte soll eine Kostenbeteiligung bei einer Inanspruchnahme des Netzes erreicht werden.

Aufgrund des zunehmenden Kostendrucks ist es sinnvoll, Modelle zu untersuchen, wie zusätzlich wirtschaftliche Anreize geschaffen werden können, um auch das Zuverlässigkeitsniveau als Qualitätsmerkmal mit einzubeziehen.

Diese Aufgabe erscheint speziell vor diesem Hintergrund an Wichtigkeit und Notwendigkeit zu gewinnen, da die Verbändevereinbarung die Definition und die Behandlung der Frage der Durchleitungsqualität in der vorliegenden verabschiedeten Fassung ausklammert. Im Gegensatz zu anderen Leistungen ist die Zuverlässigket insbesondere auch vom durchleitenden Netz zu erbringen.

Daher sollten finanzielle Anreize für den Netzbetreiber geschaffen werden, die es ihm ermöglichen, ein angemessenes Zuverlässigkeitsniveau aufrechtzuerhalten. Welche Vorgehensweisen hierbei möglich und praktikabel sind unter der Randbedingung einer möglichst gerechten Verteilung der anfallenden Kosten und Risiken, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch als weitgehend unklar zu bezeichnen. In diesem Zusammenhang sind vielfältige Fragestellungen zu untersuchen und zu klären.

Das derzeit laufende AiF-Forschungsvorhaben Nr. 11054 "Probabilistische zeitsequentielle Ausfallsimulationsrechnung" dient als Vorläufer zu dem hier beantragten Vorhaben. Die dort verfolgten Ziele führen zu einem Werkzeug, mit dessen Hilfe man in diesem Folgevorhaben die Fragestellungen zur Zuverlässigkeit von Durchleitungen untersuchen kann, die sich durch die aktuellen Veränderungen im Elektrizitätsmarkt ergeben.

Forschungsziel und Lösungsweg

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Konzepte zur Bewertung der "Versorgungszuverlässigkeit", speziell unter dem Aspekt von Durchleitungen, zu erstellen und die verschiedenen denkbaren Ansätze auf ihre Tauglichkeit zu testen. Dabei ist den unterschiedlichen Anforderungen der Kunden an die Versorgungszuverlässigkeit aufgrund der realen Gegebenheiten in den unterschiedlichen Netzen Beachtung zu schenken.

Einige Ansätze zur Bewertung der Zuverlässigkeit sollen auf die aktuelle Problematik angepaßt, detailliert ausgearbeitet und um eventuelle neue Ansätze ergänzt werden, die sich aus den geplanten Gesprächen mit den Netzbetreibern ergeben. Eine enge Zusammenarbeit mit Netzbetreibern ist eine wichtige und unverzichtbare Randbedingung für eine erfolgreiche Lösung dieser Aufgaben.

Die entwickelten Modelle sollen anhand von Testrechnungen mit realen Netzen und Planungsfällen auf ihre praktische Handhabbarkeit und Tauglichkeit getestet werden.

Projektleiter

Dr.-Ing. Thomas Weber Telefon 0621/80 47 130